07 / 12 / 2016

Du rutschst und knallst gegen die Leitplanke, dein Auto driftet ab du versuchst mit aller kraft irgendwas zu retten, das Auto - alles gerät außer Kontrolle, du kommst von der Straße ab und im nächsten Moment überschlägt es dich und alles was du spürst ist ein riesen Aufprall, Glassplitter in der Luft und im nächsten Moment eine unglaubliche Last auf dir. Du landest abseits von der Straße mit dem Dach auf einem Feld und alles was du denkst ist Nein. Ich muss hier raus, du steckst eingequetscht Kopfüber im Auto fest und versuchst an den Anschnaller zu kommen um dich befreien zu können. Der linke Arm schmerzt aber das ist egal, es ist das einzige Körperteil das irgendwie fähig ist sich in der Enge zu rühren und den Anschnaller zu finden... Du weißt nicht genau wo oben und unten ist, weil du deinen Kopf nur minimal bewegen kannst aber du bist froh darüber, dass das Fenster direkt neben dir kaputt ist und du da raus kannst. Von überall bedrückt dich die enge des eingedrückten Autos und alles was du denkst ist ich muss raus hier, ich kann hier nicht drinnen bleiben. Alles was ich dachte ist ich will dieses Gefühl nicht spüren, ich will hier raus. 
Und in dem Moment bist du nur froh da raus zu kommen bis dir auffällt, dass du irgendwo im stock Dunkeln um 5 Uhr morgens, abseits der Straße in einem Feld neben deinem zerstörten Auto kniest und nicht weißt ob du schreien oder heulen sollst und du um Hilfe schreist aber dich eh niemand hört. Aber alles ist besser als im Auto zu stecken. 
Du versuchst die wichtigsten Menschen zu erreichen, die die in deinem Handy unter Favoriten gespeichert sind bis dir auch da klar wird, dass du um die Uhrzeit niemanden erreichen wirst, dass du alleine bist. Du nicht weißt was du machen sollst,
als du plötzlich dieses krachende Geräusch eines weiteren Autos hörst und sich alles in deinem Inneren zusammen zieht. Du machst automatisch ein paar Schritte zurück weil du Angst hast, dass es gleich auf dich zu geschlittert kommt, dass es auch von der Straße abkommt. Aber es fängt sich und bleibt 500 m weiter stehen. 
Egal wie schlimm es ist, der Körper funktioniert. 
Du spürst die eises Kälte nicht, deine Schmerzen spürst du nicht, deine Beine fangen an zu rennen. Du rennst durch das hohe Gras des Feldes in Richtung des anderen Autos. 
Aber auch die Fahrer des Autos sind selbst so geschockt, dass sie nicht fähig sind sich um dich zu kümmern also gehst du zurück durch die Dunkelheit in Richtung deines Autos und in der Ferne siehst du, wie jemand mit Taschenlampen leuchtet, wahrscheinlich nach dir sucht. In der zwischenzeit hat es zwei weitere Autos gegen die Leitplanke auf der Straße geschlittert und eines davon auch in den Graben gesetzt. 4 Stück in einer Nacht. 
Den Menschen sowie den Autos ist nichts passiert und trotzdem diskutieren sie darüber wer Schuld ist, dass der eine Fahrer auf der Wiese gelandet ist. 
Ich schalte nur ab. Die Polizei und Krankenwagen wurden gerufen und du bist nur noch fähig auf der Wiese zu kauern und zu weinen, deine Schmerzen sind aufeinmal so present und dein ganzer Körper zittert, du merkst dass du deinen Arm weder heben noch anderweitig bewegen kannst alles kommt auf einmal hoch und egal wie alt du bist, du fühlst dich wie ein kleines schutzloses Kind. Die Polizei kommt und setzt dich in den Krankenwagen. Sie bringen dich in die Klinik und erklären dir was alles gemacht wird, wie alles weiter geht...
Im Grunde wird dir erst Stunden, vllt. Tage später bewusst was du für ein Glück hattest als du siehst wie zerquetscht das Auto ist. Als du vor dem Auto gekauert hast und die Räder in der Luft gesehen hast war dir klar, dass es das letzte mal gewesen ist, dass es nicht mehr zu reparieren ist. Du hast die verbogene Fahrerkabine gesehen, wie nichts mehr an seinem Platz war, die Sitze an Stellen wo sie vorher nicht waren, die Fenster Kaputt und alles andere eingedrückt als wäre es aus Knete. 
Aber als du zuhause bist und die Bilder siehst und die Reaktionen deiner Eltern, die weichen Knie deines Papas, die Tränen - da wird dir klar du hattest Glück, du hattest verdammt nochmal ein heiden Glück, dass dich dieses Auto nicht zerquetscht hat. Dir wird klar, dass es ein Wunder ist, dass du mit ein paar Schürfwunden, einer zerrissenen Hose, blauen Flecken und Prellungen an Rücken und Schulter davon gekommen bist. Das es nur das ist. Ein Trauma, mehr nicht. Das es schlimmer hätte ausgehen können. 
Aber alles was dir während den 3 h beim Unfall, im Krankenwagen, in der Klinik durch den Kopf ging war dieses Auto, dass für dich niemals nur ein Auto war. Bis du endlich jemanden erreichst der deinen Eltern bescheid gibt und sie dich holen kommen. Als sie dich endlich in den Arm nehmen und dir klar machen, dass es nur Blech ist, da fühlst du dich wieder sicher, nicht mehr ganz so schuldig.
Du bist 16 Jahre lang mit diesem Auto aufgewachsen, du bist dieses Auto irgendwann selbst gefahren, warst an verschiedenen Orten, warst campen, an wunderschönen Plätzen dieser wunderbaren Natur und hast Touren unternommen. Bist mit Freunden irgendwo hingefahren. Und egal wann du hast dich immer bedankt bei deinem Auto, dass es dich sicher von Ort zu Ort bringt, dass es ihn immer noch gibt nach 16 Jahren und du mit ihm unterwegs sein darfst, dass er auf dich aufpasst. 
Auch am Tag vor dem Unfall warst du mit ihm unterwegs, ihr seid hoch gefahren, aus dem Nebel raus in die Sonne und habt auf das Nebelmeer hinunter gesehen. Am Abend hast du dich wieder bedankt und ein paar Stunden darauf hat dir dein Auto gedankt und sich geopfert um dir das Leben zu retten. Ich weiß dass es ein unsicheres Auto ist mit dem ich an diesem Morgen unterwegs war und das es eigentlich anders hätte ausgehen können aber das ist es nicht. Es hat mich beschützt. Ich hatte ein Heer von Schutzengeln. Danke für die schönsten Jahre und ich kann mir nicht verzeihen was passiert ist aber ich bin für immer Dankbar, dass du dich geopfert hast und mich geschützt hast. 

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